KOI - Verein interdisziplinärer und temporärer Kunst im öffentlichen Raum

ENRICO CENTONZE

Enrico Centonze

*1981 Balingen (D)
lebt und arbeitet/ lives and works in Zürich (CH)

Die Arbeiten des jungen „Europäers“ Enrico Centonze bewegen sich an den Grenzen der künstlerischen Disziplinen Malerei, Installation, Skulptur und Happening. Seine Themen kreisen um Raum, Poesie, Primitivismus und Destruktion. Centonze ist einer jener wenigen jungen Künstler, die nicht unpolitisch und unverfänglich bleiben wollen. Seine Arbeitsweise ist spontan und impulsiv, wobei er immer auf vorhandene Strukturen seines Umfelds reagiert – mögen diese nun räumlicher, poetischer, landschaftlicher oder auch gesellschaftlicher Natur sein.

So ist Centonzes zerstörerisch anmutende Ästhetik nur ein künstlerisches Portrait einer Gesellschaft, die er auf den falschen Pfad der Evolution abgebogen sieht, der sie in die Autodestruktion führt.

Enrico Centonzes künstlerische Wortmeldungen wenden sich gegen eine kritiklose Akzeptanz einer instrumentalisierten Rationalität – „Aufklärung“ als Deckmantel eines wirtschaftlich gesteuerten Systems voller Abhängigkeit und Unterdrückung – Die Weisse Fahne ist ein Symbol, das in all seinen Installationen und Aktionen Eingang findet. Sie ist Ausdruck für eine Entscheidung, der keine echte Wahl vorausging. Der Einzelne im Zustand der Krise ist dem persönlichen Widerstand gegen das System gleichzusetzen. Das Zeichen unserer individuellen Kapitulation in der Hand, beweist unsere Bewusstheit über diesen Zustand und markiert den Anfang einer sozialen Veränderung.

Enrico Centonzes Assemblagen sind immer voller Lyrik und Poesie, er besteht auf den Einsatz der „höheren Sinne“ zur Weltwahrnehmung. Denn nur durch sie offenbaren sich der Menschheit die Optionen auf Schönheit, Frieden und Freiheit. Die ökologische Einfachheit des Materials und die Unaffektiertheit des künstlerischen Gestus spüren dem vortechnologischen Zeitalter der Menschheitsgeschichte nach. Irgendwo hier müssen die wahren Werte der Menschheit in der unmittelbaren Nähe zur Natur vermutet werden. Auch der Ursprung aller zerstörerischer Kraft des Menschseins kann nur hier verborgen liegen.

Centonze liebt den Prozess, die Unabgeschlossenheit der Dinge, die Möglichkeit zur Teilhabe und des Eingriffs in den künstlerischen Entstehungs- und Wahrnehmungsprozess. Der Ausstellungsbesucher wird bei ihm immer auch Akteur mit eigener Stimme und Möglichkeit zur gestalterischen Einflussnahme. Erst im Zusammenspiel mit dem Betrachter vollendet und bewährt sich das künstlerische Werk.

Ausbildung:

aufgewachsen in Morbio Inferiore CH
2001-02 Vorstudium am Camberwell College of Art and Design, London
2002-05 Kunststudium am Fine Arts department an der Middlesex University, London

Ausstellungen:

2006 – 08 Züri brennt Rote Fabrik, Zürich CH.
2006 – 05 Foundation artone, Zürich CH.
2005 – 09 Giovani Artisti Svizzeri Galleria Loggia, Carona CH.
2005 – 07 Fine Art at Middlesex Degree Show Truman Brewery, London UK.
2004 – 01 Installation and Paintings Sunami Frisuren & Konzepte, Zurich CH.
2003 – 10 Altar Ego St Matthew's Church, London UK.
2003 – 07 Emocreatenza 2 Artelier in Lugano CH.
2002 – 04 Action-painting performance Dinge on Brick Lane, London UK.
2001 – 06 Emocreatenza Bar Zion, Chiasso CH.

battle ground:

Temporäre Multimedia-Installation 20 – 25 März 2007, Karlsruhe UND#2

"Das Kämpferische ist dauerhaft präsent in jedem von uns: Wir kämpfen für das, an das wir glauben. Meine Schlacht ist ist ein Konfliktszenario zwischen drei Lebensentwicklungsstufen und der Gesellschaft: Revolution ist der Glaube an die Machbarkeit von Veränderung, Kapitulation der Moment an dem wir realisieren, dass kollektive Veränderung nicht möglich ist und dass der Tod unsere Zeit des Handelns limitiert und uns beständig schwach macht.

Zu Anfang, wenn wir jung sind, glauben wir daran, die Welt in einen besseren Ort verwandeln zu können; Dann wird uns im Laufe des Älterwerdens bewußt, dass in unserem eindimensionalen System kein Platz für Revolutionen ist und wir realisieren, dass einzig genügend Raum für individuelle Veränderung bleibt. Dieser Prozess ist nicht linear. Die Hoffnung bleibt wach, doch die fortschreitende Zeit schwächt unsere Kampfkraft und eines Tages sterben wir.

Wir kämpfen um die Welt zu verändern
Wir kämpfen gegen die Kapitulation
Wir kämpfen gegen den Tod an“

Die Installation wird ortsspezifisch entwickelt. Der Künstler wird innerhalb von zwei Tagen aus folgenden Materialien ein Schlachtfeld in Karlsruhe entstehen lassen:

200 Zeitungspapierziegel
75 schwarze Flaggen
75 rote Flaggen
10 weisse Handtücher
40 Gipsziegel
Video
Wandmalerei/ Spuren

E-Cello.performance von Zeno Gabaglio (Sa. 24.März, 21 – 23 Uhr)

Weitere Informationen unter www.enrico111.com oder www.enricocentonze.com